Baufirma Meissel & Co.

Theater und Kunst – Am Rande

Königsgeschichte / Hessen © Baufirma Meissel und Co.

Vom Publikum geliebt, mit Kulturpreisen bedacht – aber in den ästhetischen Diskursen ist das Theaterkonzept umstritten. Die Baufirma Meissel & Co. hat Werbung benutzt – genauso wie die Rituale der Kirche, vieles aus der Politik und ganz stark die Mittel des Theaters "auch wenn wir nur am Rande des Theaters stehen, doch doch, die Theater sehen das so". Stadttheater sehen in der Baufirma einerseits Konkurrenz, andererseits "billige Konkurrenz" und versagen ihre Anerkennung im gemeinsamen Theaterdiskurs. Für Diethard Wies ist immer noch der alte Konflikt zwischen Hochkultur und fahrenden Vaganten virulent.  Und gegenseitige Abgrenzung kennzeichnet die vormals zeitgleich gestarteten Straßentheaterprojekte der freien Theaterszene – auch weil die Baufirma Meissel & Co. sich nicht in eine bestimmte Organisation einbinden läßt. Die unterschiedlichen Welten begegnen sich nur bei Veranstaltungen, die mit mehreren Gruppen einen Überblick der Theaterformen vom Straßentheater bis zum Stadttheater geben wollen.

Ahnherren aus dem Strauch / Räuber Collage, Regensburg © Baufirma Meissel und Co.

Vom Figurentheater wird beispielsweise der unkonventionelle Umgang mit Theatermitteln kritisiert. "Die Puppentheaterleute aus Bochum haben zu uns gesagt, wir sind die besten Dilettanten, die sie jemals gesehen haben." In der Praxis gibt es zwar Kooperationen von der gegenseitigen Vermittlung, der Unterstützung bei Produktionen und Festivals bis hin zum Austausch von Gästen und zu gemeinsamen Stücken. Bei gleichzeitigen Auftritten auf Festen und Märkten muss das traditionell ausgebildete Puppentheater mit wenig Publikum und geringen Einnahmen zufrieden sein, während die Baufirma Meissel & Co. mit ihrer anderen Professionalität beim Publikum und finanziell erfolgreich ist. Sarkastisch stellt Diethard Wies fest: "Wir können gar nix. Wir sind Dilletanten." Nur ihre Bänkeltafeln sind die besten – und werden mittlerweile auch an's Museum weitergereicht.
Nichtsdestotrotz ergeben sich auch durch die Rolle als Veranstalter im Sinkkasten Kontakte zu Ensembles vom Kabarett (Insterburg & Co, Ulrich Roski) und zum Puppenspiel. Das Living Theatre hat Auftritte der Baufirma Meissel & Co. angeschaut, die Baufirma bewundert die Klassikerinszenierungen mit kleiner Besetzung in der Katakombe in Frankfurt am Main oder das Theater der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens' Agora' in St. Vith. Eine enge Zusammenarbeit bzw. Freundschaften verbinden die Baufirma Meissel & Co. mit den Puppenspielern Fritz Leese, Franz-Heinz Wolf, und besonders mit Dieter Brunner (Puppenzentrum Frankfurt) und Hans Prein (de Trekwagen, Doetinchem, NL). "Wir haben mit ganz, ganz vielen [der ASSITEJ-Mitglieder], dem Schnawwl [und Laku Paka] zum Beispiel, ganz eng  zusammengearbeitet. Das war logisch. Gleiche Richtung, gleiche Generation, gleiche Ideen. Und wir haben uns auch gegenseitig eingeladen." Das Theater Überzwerg in Saarbrücken gibt zum Beispiel den Anstoß für eine Fernsehproduktion des Saarländischen Rundfunks. Die 'Müllmaus' wird ein theaterpädagogisches Kontrastprogramm zum ortsansässigen Puppentheater. "Die Kollegen haben wirklich gekämpft für ein sehr, sehr gutes Jugendtheater, ein pädagogisches Theater – und der andere hat das große Geld gemacht." (jk)

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