Baufirma Meissel & Co.

Künstlerische Prozesse - Assoziationen

Der Rest ist Schweigen, eine Szenenmontage auf Shakespeares Spuren © Baufirma Meissel und Co.

"Die Art, wie die Baufirma Texte schreibt, kommt aus der Werbung." Mit der Konstituierung der neuen Gruppe verändert sich auch der Stil vom gemeinsamen Sammeln von Textelementen zum gemeinsamen Schreiben. Kollektives Schreiben (nicht Schreiben im Team!) steht im Gegensatz zur herrschenden Meinung von Autoren und Wissenschaft. "Brecht, Shakespeare, Goethe haben fremde Texte collagiert, aber es waren keine ureigenen Texte. Sie kommen nicht von innen heraus. Es sind Montagen. Ich liebe die Montage im Theater, es ist die beste Form, die es gibt. Aber wie kommt man zu eigenen Texten? Wie man eigene Texte in der Gruppe schreiben kann, haben wir aus der Werbung gelernt. Dass keiner federführend ist und die anderen nur Anregungen liefern."
In der Werbung wird mit der Analyse von Assoziationen der Kaufanreiz gesteuert. So werden beispielsweise die Formen für Parfümflaschen entwickelt. "Wir haben [die Assoziationen nicht psychologisch bewertet, sondern] einfach abgewartet, was da kommt, was aus'm Bauch' rauskommt, was nicht überlegt und nicht geplant ist. Es kommt ein Gefühl hoch und das Gefühl formuliere ich. Und wenn man so weitermacht, kommt dann irgendwann aufgrund der Worte, die irgendwo angefangen haben, eine Gesamttendenz raus." Die Themen haben sich im Lauf der Zeit verändert. Haben in den siebziger Jahren Stichworte wie Angst haben, Auschwitz, autoritär, Befreiung, Dagegensein, Druck, Gewalt, Kind und sich wehren die Theatergruppe bewegt, sind in den achtziger Jahren Frieden und Frauenbewegung en vouge.

Brecht für Kids / Darmstadt © Baufirma Meissel und Co.

"Und aus dieser Kette haben wir dann die Tendenz und die wichtigsten Worte rausgesucht. Und zu diesen wichtigsten Worten haben wir dann Sätze gebildet, Sätze gesagt. Und dann kamen wir beispielsweise zu 'Du sollst' in der ersten Szene von Kinder sind kein Eigentum. Da sind wir wieder bei der Kirche gelandet. Wir sollten alle irgendwas. […] Und dann haben wir's aneinandergereiht und ganz einfach gespielt. Wir haben uns so vor's Publikum gestellt […] und haben sie angebrüllt: Du sollst die Füße vom Tisch nehmen, Du sollst nicht in der Nase bohren […] und dann kam plötzlich einer, der sang frei heraus Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass Dir's wohl ergehe. Und dann haben wir aufgehört – und das Publikum sang weiter: 'auf Erden'. Und dann kommen wir auf den Moment Kindesmißhandlung: Wenn Du das nicht machst, wirst Du mißhandelt. […] Und diese Sachen haben wir immer wieder gemacht. Immer wieder Assoziationsketten. Und das ist dann wirklich im Kollektiv geschrieben. Du hast keinen, der sagen kann, ich habe das gelenkt, weil das [von selbst] gelaufen ist. Und das geht. Und das geht nur unter diesen Bedingungen der Werbung. Und die Werbung weiss das sehr genau, das kommt aus der Psychologie. Die Werbung weiss ganz genau, die besten Sachen kriegen sie raus, wenn der größte Unfug auf'n Tisch kommt, der größte Quatsch und einem ander'n fällt dann was richtig Gutes dazu ein." Diese assoziative Methode der hat Diethard Wies bis in seine Arbeit in der Schule begleitet. (jk)

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