Baufirma Meissel & Co.

Theater und Schule – Bildung

Straßentheater-Seminar / Reinhardswaldschule Kassel © Baufirma Meissel und Co.

"Auch interessant, dass die Schulen für die Lehrerausbildung so'n Straßentyp holen und nicht die klassischen Theater." Diethard Wies führt Seminare für die damalige Landesarbeitsgemeinschaft Schulspiel durch, vermittelt ergänzend zum schon vorhandenen Germanistikstudium Theaterpraxis und erreicht auch auf dem Weg der Lehrerfortbildung die Implementierung seiner Theaterpraxis in die Schulwirklichkeit. Mit großer Resonanz werden die Angebote vom Hessischen Institut für Lehrerfortbildung, von der Landesarbeitsgemeinschaft Spiel und in eigener Regie durchgeführt.  Auf die Fragen aus der Lehrerschaft  "Wie spielst du ein Märchen? Wie entwickelst du das?" antwortet Diethard Wies mit der Theatermethode "Gut, setz'n wir uns mal hin, fang'n wir mal an. Und immer wieder im Kern: Macht euch die Bilder. Schafft neue Bilder."
"Warum ich so viel Zulauf gehabt habe in meinen Seminaren, weil ich mit den (zumeist) Kolleginnen zusammen Stücke entwickelt hab. Wie können Kinder ein Theaterstück über ihre Probleme entwickeln, und zwar nicht über ein vorgegebenes Thema. Zurzeit machen die Schulen, weil sie dafür gefördert werden, zum Thema Frieden, Mobbing und Migration Theater. Wir spielen zwar auch für Amnesty International, aber wir haben dazu das andere Standbein beim Theaterspiel, wo wir unsere Inhalte vermitteln wollen. Und das ist eben das, was in der Schule nicht passiert."  Doch der Erfolg der Seminare zeigt das Interesse der Lehrerschaft an dieser anderen Seite des Theaterspiels.
'Theater und Schule' ist auch das Label für Schulprojekte der Baufirma Meissel & Co. mit verschiedenen Schulen im Main-Kinzig-Kreis. Der Fundevogel wird als politisches Märchen in einer Neufassung gespielt, im Märchenpaket werden klassische oder moderne Märchenvorlagen gegen den Strich gebürstet. Die unterschiedlichen Fassungen der Schulproduktionen werden in Kooperation mit dem Märchenmuseum in Steinau und dem Marionettentheater Steinau 'Die Holzköppe' realisiert.

Theater und Schule – Wirkung

Brüsseler Stadtmusikanten / Straßentheater © Baufirma Meissel und Co.

"Wir hatten mehr vor. Wir hatten ganz hohe Ziele. Wir haben uns in vielen Sachen beschieden und gemerkt, das erreichen wir alles nicht. Ich denke, wenn die Ziele nicht hoch genug gesetzt sind, fängt man an zu schlampern."
Wenn die Gesellschaft schon nicht revolutioniert werden kann, war eine der Optionen seit den siebziger Jahren der Marsch durch die Institutionen, um damit zu ihrer Umgestaltung und mittelbar zur Veränderung der Gesellschaft beizutragen. Diethard Wies gelingt mit der Integration der Theaterkonzepte in die Schulwirklichkeit eine dauerhafte positive Einflussnahme. "Ich glaube, wir haben viel erreicht, indem wir in einer, ich würd' nicht mal sagen Bewegung, in einer Tendenz ein Teil waren, der mit dazu beigetragen hat, dass diese Tendenz nicht abgerutscht ist in eine andere Richtung und sich nicht ganz verloren hat."
"Wir haben niemals die Absicht gehabt, unsere Zuschauer zu verändern. Das haben wir gewusst, dass das nicht geht. Aber wir haben dazu beigetragen, eine Stimmung, ein Gefühl, eine Einstellung zu bekommen, zu erhalten, mit zu verändern. Und ich glaube, man nennt das auch feeling, früher hat man gesagt Vibrations, wenn du für eine bestimmte Sache Empathie und Gefühl entwickelst, dann kann sich die Sache auch ändern, vorher nicht. Also wir wollten keine Meinung, keine Einstellung verändern. Das Prinzip der Werbung ist unser Prinzip gewesen. Den Gegner verunsichern durch gute, klare Aussagen, durch schöne Bilder, durch eine gute Arbeit. Den Verunsicherten sicherer machen. Den Sicheren bestätigen. Und der schon bestätigt ist, dem Spaß vermitteln und sagen, du hast  'ne schöne Zeit gehabt mit uns, wir denken auch so. Mehr kannst du mit Theater nicht erreichen." Denn wenn es mit Paul Gauguin heißt, "Art is either plagiarism or revolution ", ist nicht die Revolution der Gesellschaft, sondern die der Kunst gemeint. (jk)

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