Baufirma Meissel & Co.

Theater und Gesellschaft – Indikator

Kinder sind kein Eigentum / Urach © Baufirma Meissel und Co.

Der Spielplan der Baufirma Meissel & Co. ist in seinem Wandel ein Indikator der Zeitläufte. Um das Theater herum hat sich alles verändert, das Theater hat sich ebenfalls geändert – ohne sich zu verbiegen.  "Wir wurden gemocht, obwohl wir uns von unseren Aussagen [her] im Kern nicht geändert haben. Wir haben nicht angefangen zu lügen. Wir haben uns nicht kaufen lassen. Das erfüllt mich ein bischen mit Stolz, auch mit Selbstbewußtsein." 1993 erhält Diethard Wies den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises und im selben Jahr erhält das Vogelsberger Griebentheater den Kulturpreis der Stadt Wächtersbach. Die Baufirma Meissel & Co. ist anerkannt, die zunehmende Resonanz in der Presse ist gut. "Theater spielt man immer mit Angst. Ich kenn' keinen, der Theater macht, und keine Angst hat vor der Aufführung." Die breite öffentliche Anerkennung vertreibt die Angst, auch die Angst vor dem Aufhören. Und als die  körperlichen Strapazen im Alter zu anstrengend werden, ist ja auch schon eine zweite Generation herangewachsen, um die Theatertradition fortzuführen. Seit den Preisverleihungen behält die Theatergruppe die erreichte Praxis noch einige Zeit bei, dann wird es (auch körperlich) zuviel. Seit Mitte der neunziger Jahre wird die Theaterarbeit reduziert. Es ist eine lange Zeit des Übergangs, auch mit großen Produktionen. 2006 wird ein letztes Großprojekt in Eckhardsrod gestemmt. Das Dorf hat in der napoleonischen Zeit den höchsten Anteil von geköpften Räubern.  Das Dorfprojekt beschäftigt über ein Jahr vierzig Spieler, vier Pferde und einen Hund. Zuletzt sind es noch ein bis zwei Aufführungen im Jahr, teils auch im halb-öffentlichen Rahmen von Jubiläen. Der Schlußpunkt liegt etwa zwischen 2004 und 2006. Jetzt ist für Diethard Wies mehr Zeit, zu malen und Geschichten zu erzählen. (jk)

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