Baufirma Meissel & Co.

Künstlerische Prozesse - Montage

Kinder sind kein Eigentum / Übermalung des Fotos, Frankfurt am Main © Baufirma Meissel und Co.
Kinder sind kein Eigentum / Originalfoto, Frankfurt am Main © Baufirma Meissel und Co.

Wie werden diese disparaten Äußerungen zu einem Werk zusammengeführt? "Das ist schon das Produkt. Das ist ja der Trick. Wir haben nur mit Montagen gearbeitet. […] Diese kleinen Szenen werden gesammelt. Und dann hast Du eine Batterie da stehen von zwanzig Szenen. Und dann hast Du eine Zielgruppe. Und dann sagst Du, heute spielen wir in Wiesbaden auf der Straße zum Thema Kindesmißhandlung […]." Bei der Wahl der theatralen Mittel wird zwischen dem Theater auf der Straße und der Aufführung im Raum unterschieden. Gewalt kann beispielsweise unter freiem Himmel mit Schwellkopp und großer Hand gezeigt werden, von der Bühne im Saal kann das Publikum auch angebrüllt werden. Eine Publikumsbeschimpfung auf der Straße funktioniert nicht. Eine Demo ist ein Ereignis für Mitstreiter, das Publikum sieht lieber den Marathonlauf.
Die Baufirma Meissel & Co. verfügt über einen sich stetig erweiternden Baukasten von Szenen, der sich - teils in Absprache mit dem Veranstalter - jeweils neu zusammensetzt. Ausgangspunkt sind die Impulse, die Begriffe, die langsam zu einer Szene zusammenwachsen. Diese Einzelszenen werden verkoppelt, es bleiben dazwischen aber gewollte Brüche stehen. Dieser Entwicklungsprozess spielt sich im leergeräumten Zuschauerraum des Studios ab. Alle sitzen oder liegen in Kreisform, drei oder vier schreiben mit, dann wird gesiebt im Diskurs und durch das Probieren über die Praktikabilität der jeweiligen Szenen. Im Verlauf der Aufführungsreihen ändern sich auch die Szenen. Anlass sind auch äußere Impulse wie Stahlhelme für die Abtreibungsszene.
"Ich weiß, das ist keine Inszenierung, die am Tisch formuliert wird, und dann muß der [Spieler] das so machen und der Regisseur ist auch nicht da, der diese Schnapsidee hat, denn so viel bekloppte Ideen kann der gar nicht gehabt haben. Das geht nur aus der Gruppe." Wichtig ist auch die Schaffung einer atmosphärischen Umgebung mit impulsgebenden Objekten wie Puppen, Kostümen, Musikinstrumenten. Beispielsweise gelingt der Einstieg beim Kinderkreuzzug von Brecht über die Musik. Und in anderen Produktionen singt Diethard Wies Brecht's Gedicht 'Der liebe Gott, der sieht fast alles' zur Melodie von Mamy blue. "Auf der Straße bleiben dann zwei, drei Szenen – und dann ist Schluss, weil Du die Leute sonst vertreibst." So dauert die Königsgeschichte, eine Antikriegsgeschichte, etwa fünfzehn Minuten. Im Saal wird eine solche kurze Geschichte in eine größere Inszenierung eingebaut. (jk)

Der liebe Gott / Gedicht von Bert Brecht, Jugendzentrum Kirspe © Baufirma Meissel und Co.
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