Baufirma Meissel & Co.

Theater und Gesellschaft – Privat und Regional

Kumm, mach dich furt… (Valentin Hessisch), Wächtersbach 2001 © Baufirma Meissel und Co.
Königin Susi / Hettersroth/Birstein © Baufirma Meissel und Co.
Kumm, mach dich furt… (Valentin Hessisch) / Wächtersbach 2001 © Baufirma Meissel und Co.

Wie schon in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre ändert sich wieder in der Mitte der siebziger Jahre das politische Klima in Deutschland. Statt in die politische Radikalisierung kann der Weg zum Marsch durch die Institutionen oder in den Rückzug ins Private führen. Während dieser gesellschaftspolitische Hintergrund den Biografien der Theatergruppe in den sechziger Jahren entscheidende Anstöße gibt, schlägt er ein Jahrzehnt später nicht in gleicher Weise durch. Zwar ist der Weg ins Private, Regionale und Lokale bei der Gruppe deutlich abzulesen. Die Städter gehen in die Provinz. Sie nutzen den Platz und die günstigen Probenräume – kämpfen aber um das Publikum im dünnbesiedelten Raum. "Es ist ein Kampf um's Publikum hier draußen. Wenn du keinen Veranstalter hast, ist es ein Kampf. So wie wir gespielt haben, plötzlich auf der Straße aufgetaucht und gespielt, das lief nur bis etwa 1974, danach haben wir bloß überleben können durch Veranstalter, also Straßenfeste, die unsere Art zu spielen ja schon mit verursacht haben."
"Das ist ein Teilrückzug ins Private, ganz bestimmt. Es sind viele Leute ausgestiegen, es sind andere dazugekommen, es sind auch viele geblieben." Wie für viele andere dieser Generation ist die Entwicklung aber auch eine Frage des Lebensalters. Ohne dass das Politische verschwindet, stiftet das Private bleibende Verbindungen – auch zwischen Antipoden. Diethard Wies sitzt in der Schulleitung (nicht gleich an der Dorfschule) und sein Bruder arbeitet in der Chefetage einer Bank. Diethard Wies macht immer noch Politik auf diese Art und Weise, sein Bruder unterstützt ihn im Privaten und bei den Aufführungen – schreibt inzwischen andere (weniger künstlerische) Texte, ist weiterhin der Clown der Baufirma Meissel & Co. Die Frau des Bruders, welche mit vierzehn zur Baufirma Meissel & Co. kam, ist inzwischen Kunsterzieherin in der Oberstufe einer Frankfurter Gesamtschule. "Dieser Rückzug ins Private heißt, wir haben eigene Kinder. Wir haben mehr Kindertheater gemacht, was für uns auch ein neuer Markt war. Uns wollte man auch gar nicht mehr sehen auf der Straße, machen wir uns doch nichts vor. Auf der Straße sind ganz andere Sachen passiert parallel zu uns. Die 'Harlekinade' ist keine Politik mehr. Wir haben als einzige Gruppe da Politik gemacht. Wenn die 'Rhöner Säuwäntzt' nicht gerade mal 'nen Blues hatten, der auch 'n bissel politisch war. Aber sonst waren wir langsam out. Die Leute wollten das gar nicht mehr. Die haben [lieber] Comedy gesehen." (jk)

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