Chronik

Fazit 2010

Für den Deutschen Kindertheaterpreis 2010 sind insgesamt 154 Texte eingesandt worden, 30 mehr als 2008. Bei einem Blick auf die für den Deutschen Kindertheaterpreis 2010 nominierten Stücke fällt auf, dass die beiden Autoren und die Autorin als Stoffe literarische Vorlagen gewählt haben und alle drei Texte als Auftragsarbeiten von Theatern entstanden sind.

Obwohl oder gerade weil die Nominierungen damit nicht repräsentativ für die Einsendungen in der Kindertheater-Sparte sind, lässt sich aus dieser Beobachtung die Frage ableiten, ob mehr Zusammenarbeit von Theatern und Autoren nötig ist, weil so die Expertise der Theatermacher über ihr Publikum in die Entwicklung der Texte einfließen kann? Und mit Blick auf die gewählten Stoffe und den Wirklichkeitsbezug der nominierten Theatertexte ließe sich schlussfolgern, dass die Reflexion des Hier und Jetzt in einer alten Geschichte offensichtlich einen überzeugenderen künstlerischen Zugriff erlaubt, als das Streben nach dramatischem Realismus. Zumindest hat die Jury bei ihrer Lektüre beobachtet, dass Autorinnen und Autoren von Theatertexten für Kinder in der Auseinandersetzung mit literarischen oder filmischen Vorlagen oftmals eine überzeugendere szenische Fantasie entfalten, als wenn sie eine selbst erfundene Geschichte erzählen.

Das ist im Jugendtheater anders, die Autoren und die Autorin der nominierten Stücke erfinden Geschichten aus dem Hier und Heute, und spielen kunstvoll mit den Zeiten und Räumen, den Figuren und ihren Beziehungen. Und obwohl die Themenwahl im Jugendtheater noch zu oft den oberflächlichen gesellschaftlichen Konsens bedient, dass die Jugend eine Zeit mit vielen Problemen ist, die als zu überwindende Defizite dargestellt werden, erscheinen die Autorinnen und Autoren des Jugendtheaters insgesamt souveräner im Umgang mit den Mitteln des Theaters.

Was machte demgegenüber einen guten Kindertheaterautor aus? Der Künstler, der für Kinder arbeitet, muss den Kindern emotional und rational nahe sein, ohne seine eigene künstlerische Identität und seine Identität als Erwachsener aufzugeben. Er sollte seinen künstlerischen Willen in ein bewusstes Verhältnis zu Lebensrealität und Erfahrungen seines Publikums setzen. Das Experiment der 'Akademie für generationsübergreifendes Sehen' während des Internationalen Symposiums 'Play Young' im Juli 2010 in Mülheim an der Ruhr hat darüber hinaus gezeigt, dass Theaterkunst für Kinder nicht nur das künstlerische Expertentum braucht, sondern unbedingt auch der Expertise über das Kinderpublikum bedarf.

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