Preisträger

Lutz Hübner (Foto: Thomas Aurin)

Hübner, Lutz (Deutschland)
Deutscher Jugendtheaterpreis 1998
für sein Stück Das Herz eines Boxers

Hartmann & Stauffacher Verlag, Köln

Jurybegründung

Lutz Hübner hat ein sympathisches, warmherziges Kammerspiel über das Leben-Lernen und Leben-nicht-Verlernen geschrieben. Dabei ist ihm eine Komödie gelungen, in der Ideale unspektakulär vertreten werden. In einem Altersheim treffen der ehemalige Boxchampion Leo und der Jugendliche Jojo aufeinander. Früher war der Alte stark, der Junge wird es durch die wachsende Freundschaft, der Alte lernt dabei von der Schwäche des Jungen. Das Klischee von männlichem Heldentum wird gebrochen. Der Autor erzählt in lebendigen Dialogen von der Lust der beiden Figuren, einander ohne karitatives Motiv bei der Verwirklichung ihrer Träume zu helfen. Er ermöglicht den Figuren ein wirkliches Miteinander.

Werkbeschreibung

Jojo ist ein echter Loser: Er hat für den Boss seiner Clique eine Bewährungsstrafe wegen Diebstahls übernommen - und wird zum Dank nun von allen als Idiot beschimpft. Auch sonst sieht es trübe für ihn aus: keine Lehrstelle, keine Freundin, keine Hoffnung. Und jetzt wird er ins Altersheim abkommandiert und muss Wände anstreichen. Hier trifft er auf Leo, einen ehemaligen Preisboxer, der vortäuscht senil zu sein, um in Ruhe gelassen zu werden. Weder Jojos flotte Sprüche noch seine Provokationen können ihn aus seiner Lethargie reißen. Während der Junge die Wände in dem kahlen Zimmer streicht, erzählt er dem alten Mann von seinen Sorgen und Problemen. Zu seiner Überraschung beginnt Leo plötzlich zu sprechen und es zeigt sich, dass der Alte keineswegs senil ist – im Gegenteil. Langsam nähern sich die beiden an, Vorurteile werden abgebaut. Leo durchschaut Jojos coole Fassade und erkennt dahinter den anständigen Jungen. Nach und nach entsteht eine Freundschaft, von der beide profitieren. Sie werden zu Verbündeten gegen eine Gesellschaft, die sie nicht ernst nimmt.

Kurzbiografie

Lutz Hübner, 1964 in Heilbronn geboren, studierte nach dem Abitur von 1983 bis 1984 Germanistik, Philosophie und Soziologie an der Universität in Münster. Nach dem Zivildienst und einer Schauspielausbildung von 1986 bis 1989 an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Saarbrücken war er als Schauspieler am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken und am Badischen Staatstheater in Karlsruhe tätig. Von 1990 bis 1993 wechselte er als Schauspieler und Regisseur an das Rheinische Landestheater Neuss. 1993 bis 1996 folgte ein Engagement am Theater der Landeshauptstadt Magdeburg. Als freiberuflicher Schriftsteller und Regisseur entwickelte sich Lutz Hübner zu einem der meistgespielten zeitgenössischen deutschen Autoren. Eine Vielzahl von Stücken entstand, unter anderem auch Auftragsarbeiten für das Deutsche Theater Göttingen, das Staatstheater Hannover, das Maxim Gorki Theater Berlin und das Deutsche Schauspielhaus Hamburg. Die Aufführungsrechte seiner Stücke liegen beim Verlag Hartmann & Stauffacher, Köln.

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