Preisträger

Kai Hensel (Foto: Mary Lou Sellem)

Hensel, Kai (Deutschland)
Deutscher Jugendtheaterpreis 2002
für sein Stück Klamms Krieg

Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH, Berlin

Jurybegründung

Ein kluges, witziges und böses Stück, das Schüler und Lehrer gleichermaßen angeht. Ein einzigartiger, sprachgewaltiger Monolog über die Zwänge von Institution und Tradition, die Schüler und Lehrer als Kriegsparteien einander ausliefert. Das Stück ergreift nicht Partei für eine der Seiten, sondern nur gegen das System Schule.

Werkbeschreibung

Eigentlich will Lehrer Klamm Goethes 'Faust' behandeln, doch seine Schüler machen nicht mehr mit. Sie geben ihm die Schuld am Selbstmord eines Jungen, der durch das Abitur gefallen ist. Nur ein Punkt hatte ihm gefehlt. Klamm vergab ihn nicht. Mit einem Brief erklärt die Klasse dem Deutschlehrer daraufhin symbolisch den Krieg, die totale Verweigerung. Jetzt redet Klamm gegen eine Mauer des Schweigens an, ist gezwungen sich zu verteidigen, argumentiert, versucht es mit Bestechung, Drohungen und Hohn. Immer mehr entpuppt er sich dabei als gestörte Persönlichkeit, zerrieben von Ehrgeiz und einem Machtwahn, der sich in blindem Hass und einsamer Verzweiflung Bahn bricht. Das Psychogramm eines frustrierten Lehrers, der an den eigenen und an den institutionellen Ansprüchen scheitert.

Kurzbiografie

Kai Hensel, 1965 in Hamburg geboren, arbeitete nach dem Abitur als Werbetexter in Hamburg und Frankfurt, bevor er die Geschäftsführung einer Berliner Werbeagentur übernahm. Nach mehrmonatigen Reisen durch Europa, Afrika und Asien kam er für zwei Spielzeiten als Regisseur an das Theater Lübeck. Danach arbeitete er als Drehbuchautor für zahlreiche Shows, Serien und Spielfilme in Köln. Im Jahr 2000 entstand sein am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführtes Stück 'Klamms Krieg', dem weitere Arbeiten als Theaterautor folgten. Kai Hensel war Preisträger des Friedrich-Schiller-Gedächtnispreises 2001, wurde 2002 mit dem Deutschen Jugendtheaterpreis ausgezeichnet und erhielt 2006 den Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis. Die Aufführungsrechte für seine Stücke liegen bei der Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH, Berlin.

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