Preisträger

Martin Baltscheit (Foto: Sebastian Hoppe)

Baltscheit, Martin (Deutschland)
Deutscher Jugendtheaterpreis 2010
für sein Stück Die besseren Wälder

Verlag für Kindertheater Weitendorf GmbH, Hamburg

Jurybegründung

Der Autor hat ein Tierstück für Jugendliche geschrieben, das allein ist ungewöhnlich und bemerkenswert. Ein kinderloses Schafsehepaar nimmt einen kleinen elternlosen Wolf an Kindes statt an. Der Wolf im Schafspelz lernt fleißig ein Schaf zu sein und verblüfft mit seinem Gesang und anderen Fähigkeiten. Der Zaun, der die heile Schafwelt umschließt, ist für ihn kein Hindernis. Des Mordes an seiner besten Schaffreundin bezichtigt, flieht er und bleibt auch im Rudel der Wölfe ein Außenseiter. Schließlich lebt er mit dem Bären, der sich für eine Biene hält und der Gans, die sich als Fuchs fühlt zusammen und bekennt sich zu seiner Identität als Schafswolf. Die besseren Wälder, zu denen einst seine Wolfseltern auf dem Weg waren und den Jägern zum Opfer fielen, sind oftmals näher als man glaubt. Diese Parabel über Herkunft und Zukunft erzählt von der Sehnsucht nach dem besseren Leben, deren Preis nicht Assimilation bis zur Selbstaufgabe sein darf.

Werkbeschreibung

Auf dem Weg in die besseren Wälder gerät eine Wolfsfamilie in einen Schneesturm. Mutter und Vater Wolf werden von den Jägern erschossen. Der Wolfsjunge aber bleibt im Schnee stecken und als der taut liegt er zwischen dem weißen Schaf und dem schwarzen Bock auf der Frühlingswiese. Die beiden wünschen sich schon lange ein Kind und beschließen, den kleinen Wolf als Schaf aufzuziehen. Bald tut Ferdinand, was Schafe nicht dürfen. Er springt über Zäune. Und er singt schöner als alle anderen das 'Schafe Maria'. Als seine Schaf-Freundin tot aufgefunden wird, gerät er unter Verdacht. Ferdinand flieht aus dem Gefängnis zu den Wölfen hinter dem Zaun, um einer von ihnen zu werden. Doch als weißer Wolf findet er keinen Anschluss und wird von den anderen verstoßen. Doch dann begegnet er seinen beiden Zellengenossen wieder, dem Bären, der meint eine Biene zu sein und der Gans, die sich als Fuchs fühlt. Ferdinand beschließt in das Haus des Bienenbärs und der Fuchsgans zu ziehen. Seine Schafeltern denken wehmütig an ihn. Und sein Schafkumpel der Bock Beck ist noch immer verblüfft: "Warum soll ein Wolf kein Schaf sein? Es kommt doch nicht darauf an, wo du herkommst. Es kommt darauf an, wo du hingehst und mit wem."

Kurzbiografie

Geboren 1965 in Düsseldorf. Martin Baltscheit studierte Kommunikationsdesign an der Folkwangschule in Essen. Von 1986 bis 1992 war er Mitglied des Theaters 'Junges Ensemble Düsseldorf'. Er zeichnete zunächst Comics, danach widmete er sich vor allem dem Schreiben und Illustrieren von Bilderbüchern. Außerdem entstanden zahlreiche Hörspiele und Trickfilme. Er arbeitete auch als Schauspieler und Theaterautor. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Martin Baltscheit lebt in Düsseldorf.

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