Preisträger

David Greig (Foto: Katrin Ribbe)

Greig, David (Großbritannien)
Deutscher Jugendtheaterpreis 2014
für sein Stück Monster
Deutsch von Barbara Christ
Rowohlt Theater Verlag, Reinbeck

Jurybegründung

David Greigs Stück ist Punkrockkonzert, Schrank-auf-Schrank-zu-Komödie und Themenstück über die 'Caring Kids' in einem. Und noch viel mehr. Weil der Autor in seinem Stück auf die Rollenaufteilung verzichtet, beschleunigt er damit den Theatertext zum Soundtrack eines jungen Lebensgefühls zwischen Mutwille und Angst: Eine Liebeserklärung an das 'Trotz alledem'.

Im Mittelpunkt der Komödie mit tieftraurigem Hintergrund steht Duck. Sie lebt allein mit ihrem schwer kranken Dad. Sie hält den Laden zusammen und tut alles, damit im Zusammenbruch ihrer familiären Ordnung, alles bleibt, wie es ist. Aus dem Paradox von Festhalten und Verändern entstehen wunderbar absurde Vorgänge, die den berührend starken Figuren eine enorme emotionale Tiefe und eine große Bandbreite im Handeln geben.

Die Sprache des Stücks ist extrem musikalisch und der Humor 'very British'. In ihrer Übersetzung findet Barbara Christ kongeniale Analogien, um den Sprachwitz, die Situationskomik und die phonetischen Finessen des Originals in der deutschen Fassung zur Wirkung zu bringen.

Werkbeschreibung

Das titelgebende Monster ist ein Exemplar der berühmten Zweizylinder-Viertaktmaschine Monster 796 von Ducati, scharlachrot, mit einem Hubraum von 803 cm³ und 87 PS und die steht bei der 14jährigen Duck und ihrem schwerkranken Vater im Wandschrank im Flur. Sie ist kaputt denn sie hatte damals ziemlich viel abbekommen, bei dem Unfall, bei dem auch Ducks Mutter starb. Seitdem versucht Duck, den Laden und ihr Leben zusammenzuhalten. Ducks Vater leidet an Multipler Sklerose und verbringt die Nächte kiffend und Bountyriegel essend vor dem Computer. Und Duck, fast noch ein Kind, muss sich um ihn und um sich selbst kümmern. Bisher sind die beiden und die Monster in ihrem Flur ganz gut über die Runden gekommen, aber jetzt gehen die Dinge den Bach runter. Die freundliche Dame vom Jugendamt hat sich für einen Hausbesuch angekündigt, die Wohnung sieht aus wie ein Saustall, Ducks Schulkamerad Lawrence macht ihr ein unmoralisches Angebot, und ausgerechnet heute steht auch noch die radikalanarchistische norwegische Internetbekanntschaft von Ducks Vater vor der Tür. Kurz entschlossen entwickelt Duck einen aberwitzigen Plan, der alle Beteiligten in ein Chaos aus haarsträubenden Lügen und hochgradig verwirrenden Begegnungen verstrickt. Zwischen Pizzakartons, Joints und völlig misslungenen Käsemakkaroni nimmt das Unheil seinen und die Komödie ihren Lauf– rasant, komisch und völlig unabwendbar.

Kurzbiografie

David Greig wurde 1969 in Edinburgh (Großbritannien) geboren. Er wuchs auf in Jos (Nigeria) und Edinburgh. Dort studierte er an der Bristol University Englisch und Drama. Sein erstes Stück 'A Savage Reminiscence' wurde 1991 beim Edinburgh Festival uraufgeführt. 1992 war Greig erneut beim Edinburgh Festival vertreten, diesmal mit 'Stalinland', beide Stücke wurden für 'Guardian International Student Award' nominiert. 1995 begann David Greigs Zusammenarbeit mit der Performance-Gruppe Suspect Culture.1996/97 war er Hausautor der Royal Shakespeare Company. Die deutsche Übersetzung seines Jugendstücks 'Monster' (UA 2010 in Glasgow) von Barbara Christ wurde 2012 am Staatsschauspiel Hannover erstaufgeführt. David Greig lebt im schottischen Edinburgh.

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