Preisträger

Ad de Bont (Foto: Sanne Peper)

de Bont, Ad (Niederlande)
Deutscher Kindertheaterpreis 1998
für sein Stück Die Tochter des Ganovenkönigs
in der Übersetzung von Barbara Buri
Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Jurybegründung

Das Stück verknüpft märchenhafte und realistische Elemente und ist dabei immer ganz gegenwärtig. Julchen, die Tochter des Ganovenkönigs, ist eine Protagonistin im klassischen Sinne. Sie soll von ihren Eltern aus Gewinnsucht verkauft werden, so wie bereits ihre Brüder und Schwestern. Als sie das erkennt, wehrt sie sich dagegen und beantragt amtlicherseits die Scheidung von ihren Eltern. Sie fordert damit ihr Recht auf Selbstbestimmung ein. Die Geschichte wird vorangetrieben von der Frage nach dem Bösen in der Welt. Hier wird es verkörpert durch das mafiose königliche Elternpaar und zwei korrupte Staatsdiener. Ad de Bont untersucht sowohl psychologische, innerfamiliäre als auch gesellschaftliche Mechanismen. Mit scharfem Witz beschreibt der Autor eine Welt, in der die Käuflichkeit regiert. Der Sinn des Autors für die Metaphorik von Sprache kommt unter anderem in dem Bild vom 'goldenen Herzen' zum Ausdruck. Auch die Übersetzung besticht durch ihre Genauigkeit, Sinnlichkeit und die überaus reiche und vielschichtige Sprache voller unkonventioneller Wendungen.

Werkbeschreibung

Es ist fast wie im Märchen: Julchen wohnt mit ihren Eltern in einem großen Schloss. Es ist der Vorabend ihres 12. Geburtstags. Ihr Vater ist ein König, ihre Mutter eine Königin. Allerdings handelt es sich um ein etwas merkwürdiges Königspaar. Ihre Sprache ist ebenso wenig vornehm wie ihre Manieren. Sie verkehren mit korrupten Polizisten und mit einem in dunkle Machenschaften verstrickten Richter und entsprechen so gar nicht dem, was man von einem königlichen Ehe- und Elternpaar erwarten würde. Kein Wunder also, dass das ganz aus der Art geschlagene Julchen ernsthaft erwägt, sich von ihren Eltern scheiden zu lassen. Was wie ein Märchen beginnt, wird immer mehr zu einer Kriminalgeschichte. Was ist aus Julchens elf Geschwistern geworden? Wo ist ihr geliebter Großpapa abgeblieben? Und wo soll das goldene Herz herkommen, das sich der König zu seinem 25. Dienstjubiläum wünscht?

Kurzbiografie

Ad de Bont, 1949 in Waspik (Niederlande) geboren, studierte nach dem Abitur zunächst Erziehungswissenschaften, später auch Spiel- und Theaterpädagogik. Von 1972 bis 1975 besuchte er die Schauspielschule in Amsterdam. Es folgten Tätigkeiten als Schauspieler und Autor bei verschiedenen niederländischen Theatergruppen. 1982 wurde er künstlerischer Leiter des Amsterdamer Kindertheaters Wederzijds. Durch seine zahlreichen, für das junge Publikum geschriebenen Theaterstücke gelangte Ad de Bont zu Weltruhm. Mit seiner gesamten künstlerischen Arbeit konnte er dem europäischen Kindertheater wichtige Impulse gegeben. Seine Theaterstücke wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Die Aufführungsrechte seiner Stücke liegen beim Verlag der Autoren, Frankfurt am Main.

Zurück zur Übersicht
amateurfetishist.com