Preisträger

Jens Raschke (Foto: Privat)

Raschke, Jens (Deutschland)
Deutscher Kindertheaterpreis 2014
für sein Stück Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute

Theaterstückverlag Brigitte Korn-Wimmer & Franz Wimmer (GbR), München

Jurybegründung

Vier Schauspielerinnen und Schauspieler erzählen von einem Zoo. Es ist aber kein gewöhnlicher Zoo, denn er befindet sich direkt hinter dem Zaun zu einem Lager, in dem gestreifte Menschen von Gestiefelten gefangen gehalten werden. Um zu überleben müssen die Tiere in dem Tierpark damit leben, dass sich außerhalb ihres Gefängnisses die unmenschliche Welt der Menschen befindet. Der Bär, ein nicht angepasster Neuankömmling leistet Widerstand und opfert am Ende sein Leben für ein sichtbares Zeichen der Hoffnung.

Angeregt durch das historische Beispiel des Zoos am KZ Buchenwald erzählt Jens Raschke eine aktuelle Parabel über eine totalitäre Machtstruktur sowie über Mächtige und Machtlose aus der Perspektive eingesperrter Zootiere, die eigentlich unbeteiligt und gleichwohl abhängig sind. Ihm gelingt es dabei, ein allgemeingültiges Szenario über Verhaltensmuster und Überlebensstrategien in einer unmenschlichen Welt zu entwerfen. Denn wo Freiheit fehlt, gibt es keine Menschlichkeit.

Werkbeschreibung

Vier Schauspieler/innen erzählen die Geschichte von einem Zoo vor vielen Jahren. Einem kleinen Zoo auf einem Berg, in dem nur wenige ausgewählte Tiere lebten. Ein Elitezoo. Neben dem Zoo gibt es eine Stadt, mit schönen und hässlichen Häusern. Die hässlichen Häuser sind von den schönen Häusern durch einen summenden und brummenden Zaun getrennt. Hinter dem Zaun leben die Gestreiften, die auch die Tiere im Zoo füttern. In den schönen Häusern wohnen die Gestiefelten, deren Kinder die Tiere mögen und die sie jeden Sonntag im Zoo besuchen kommen. Eines Tages kommt der junge Bär aus Sibirien in dem Zoo an und Papa Pavian weist ihn in die Regeln ein: Die Gestiefelten sind zwar zu Gestreiften böse und gewalttätig, aber zu den Tieren sind sie gut. Und das soll so bleiben. Also nicht hinsehen und Klappe halten! Doch der Bär sieht das Elend der Gestreiften und riecht, dass nicht nur der Gestank des Krematoriums, sondern Unmenschlichkeit und Menschenverachtung in der Luft liegen. Er beugt sich diesem Gesetz nicht. In einem heroischen Akt öffentlichen Widerstands geht er selbst unter und zeigt damit, dass man sich mit Menschenverachtung und Unmenschlichkeit nicht arrangieren darf. Den Zoo von dem der Autor erzählt, gab es wirklich, direkt neben dem KZ Buchenwald. Raschke mischt in seinem Stück historische Wahrheit und poetische Fiktion und erzählt über das Lager aus der Sicht der Tiere.

Kurzbiografie

Jens Raschke wurde 1970 geboren. Nach dem Studium der Nordischen Literaturwissenschaft und Geschichte arbeitete er als Dramaturg am Schauspielhaus Kiel. Spätere Engagements führten ihn nach Zürich an das Theater am Neumarkt, nach Essen an die Folkwang-Universität und an weitere Theater. Seit 2003 gehört er zum Leitungsteam des internationalen Monodramafestivals 'Thespis' in Kiel. Seit 2007 arbeitet er kontinuierlich als Autor, Dramaturg und Regisseur für das Theater im Werftpark, das Kinder- und Jugendtheater des Theaters Kiel. Sein Stück 'Schlafen Fische? ' erhielt 2012 den Mülheimer KinderStückePreis, für 'Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute' wurde er beim Stück-Wettbewerb 'Kaas & Kappes' 2014 ausgezeichnet. Jens Raschke lebt in Kiel.

Zurück zur Übersicht
amateurfetishist.com