Preisträger

Kristo Šagor (Foto: Theaterverlag)

Sagor, Kristo (Deutschland)
Nominiert für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2002
für sein Stück Fremdeln

Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH, Berlin

Jurybegründung

Der Text überzeugt durch die geschickte Konstruktion einer Familiengeschichte, die uns durch seine analytische Struktur zu Detektiven auf den Spuren eines fatalen Familiengeheimnisses macht. Die vermeintlich den Bestand der Familie schützende Lüge erweist sich als die eigentliche Katastrophe im Leben der Beteiligten. Dem Autor gelingt es, die Figuren des Stückes durch ihren sprachlichen Gestus lebendig werden zu lassen.

Werkbeschreibung

Svantje ist weg. Spurlos verschwunden. Direkt nach ihrem 18. Geburtstag von zu Hause abgehauen - ohne Vorwarnung und ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Mutter Doris ist dem Wahnsinn nahe, auch ihr neuer Freund Holger macht sich Sorgen. Obwohl er gar nicht der Vater ist. Aber schließlich hat er auch eine Tochter: Nele. Mit ihr lebt er seit kurzem bei Doris und ihrem Sohn Marek. Neuer Anfang einer neuen Familie. Und jetzt das. Am schlimmsten trifft es Marek. Die Schwester war sein wichtigster Halt. Besonders nach dem schweren Autounfall, bei dem auch der Vater ums Leben kam. Svantje brachte ihm Schritt für Schritt das Leben wieder bei. Um der motzenden Nele, der besorgten Doris und Holgers Annäherungsversuchen zu entgehen, flüchtet sich Marek in Tagträume. Dabei gefällt ihm Nele eigentlich. Die Situation eskaliert als herauskommt, dass Svantje offenbar bei einem 'älteren Mann' ist, dem die eine Hälfte der Familie besonders nahe steht... Ein Lügengespinst fliegt auf und zerlegt das wohlgebaute Familienpatchwork wieder in seine Einzelteile.

Kurzbiografie

Kristo Šagor, 1976 in Stadtoldendorf geboren und aufgewachsen in Lübeck, studierte nach dem Abitur 1995 Deutsche Literatur, Theaterwissenschaften und Linguistik an der Freien Universität Berlin, verbrachte ein Jahr am Drama Trinity College in Dublin (Irland) und übernahm 1996 erste Regiearbeiten am Theater TREKJOP. 1999 entstand sein erstes Theaterstück 'Dreier ohne Simone', das im gleichen Jahr uraufgeführt wurde. Mit seinem Stück 'Durstige Vögel' wurde er 2000 auf dem 12. Frankfurter Autorenforum erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Es folgten die Teilnahme am Europäischen Festival Junger Dramatiker Interplay Europe in Warschau 2000 und am World Festival of Young Playwrights World Interplay in Townsville (Australien) 2001. Neben seiner Tätigkeit als Autor übernahm er seit 2002 regelmäßig Regiearbeiten unter anderem in Bremen, Mannheim, Erlangen und Berlin. Im selben Jahr wurde er mit der Fördergabe des Schiller-Gedächtnispreises ausgezeichnet, erhielt den Dramatikerpreis des Thalia Theaters Halle und den Publikumspreis des Heidelberger Stückemarktes für 'Unbeleckt'. Es folgten 2003 der Autorenpreis für 'FSK 16' beim 5. Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterfestival Kaas & Kappes und 2005 ebenfalls der Autorenpreis für Trüffelschweine beim 6. Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterfestival Kaas & Kappes in Duisburg. 2005 erhielt er den Kindertheaterpreis der Frankfurter Autorenstiftung für 'Ja'. Die Aufführungsrechte für seine Stücke liegen bei der Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH, Berlin.

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