Preisträger

Eva Rottmann (Foto: Theaterverlag)

Rottmann, Eva (Schweiz)
Nominiert für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2012
für ihr Stück Die mich jagen

Felix Bloch Erben Verlag für Bühne Film und Funk, Berlin

Jurybegründung

Wie wäre es, in einer Welt zu leben, die kein Oben und kein Unten mehr kennt? Eva Rottmanns Stück beschreibt den schleichenden Orientierungsverlust im scheinbar geordneten Gefüge einer kleinen Stadt. Charlotte zieht durch die Straßen, der alte Adam hockt am Fenster, Eigenbrödler Yannik behält auf dem Schulhof Charlotte immer im Blick. In einer Nacht treffen sie alle in Yanniks Haus aufeinander. Die Autorin kombiniert für ihr Drama Liebesgeschichte und Krimihandlung, beim gekonnten Spiel mit kleinen sprachlichen Verschiebungen und starken Symbolen gelingen ihr surreal anmutende Momente. 'Die mich jagen' ist ein sorgfältig komponiertes Stück über Sein und Haben, gleichzeitig Komödie und bissiger Kommentar auf verlorene Glücksversprechen und den Anpassungsdruck einer Gesellschaft, die unter ökonomischem Druck zusehends auseinanderdriftet.

Werkbeschreibung

Das Mädchen Charlotte (17) ist mal wieder mit der Mutter umgezogen. Sie trifft den alten Adam, der immer nur am Fenster seiner Wohnung sitzt. Jannik sieht sie auf dem Schulhof und ist von ihr hingerissen und will ihr eigentlich nur wie ein Schatten folgen, nur in ihrer Nähe sein, sie riechen, ihre Haut sehen. Und dann spricht er doch mit ihr und lädt sie ein zu sich nach Hause. An dem Abend kann Adam nicht schlafen, er hält es nicht mehr zuhause aus und läuft zu Jannik. Er schläft auf dem Sofa ein, obwohl Jannik ihn bittet, nach Hause zu gehen. Und dann kommt Charlotte und sagt Jannik, dass sie heute vielleicht noch mit ihm schlafen wird. Charlotte nähert sich Jannik. Sie trinken und reden und eigentlich wollen sie schwimmen im Pool hinter dem Haus. Adam sitzt im Kleiderschrank und oben zieht Charlotte sich aus, doch Jannik denkt an Adam und erzählt Charlotte von dem Mann im Schrank. Er will die Polizei rufen. Charlotte beschwichtigt ihn.

Adam erzählt von seiner Frau, die sei ein wenig sonderbar und rechne ständig die Einnahmen und Ausgaben nach. Das rührt Charlotte, sie meint, es seien genug Klamotten, um Adam einige für seine Eva mitzugeben. Da holt Jannik die Polizei, die das Haus umstellt. Eine Stimme erzählt davon, wie Adam seine Frau mit einer Bratpfanne erschlagen hat, weil er die Zahlenkolonnen nicht mehr ertrug, mit denen sie ihr Leben in ein Notizbuch schrieb. Und wie er dann immer am Fenster saß und seine erschlagene Frau seit Tagen am Küchentisch. Als die Polizei das Haus stürmt übergießt sich Adam mit Benzin und zündet sich an. Am Tag nach Adams und Evas Beerdigung trifft Charlotte Jannik vor Adams ehemaliger Wohnung. Jannik will bald weg, in die Antarktis und sie werden wohl zusammen gehen und beim Whiteout gemeinsam verrückt werden und der Polarfuchs schaut zu und dann... dann küssen sie sich wohl endlich.

Kurzbiografie

Geboren 1983 in Würzburg. Nach ihrem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste ist sie diplomierte freie Theaterschaffende und arbeitet als Theaterpädagogin, Regisseurin und Autorin. Ihr Theaterstück 'Eidechsen und Salamander' wurde mit dem Kathrin-Türks-Preis des Landestheaters Burghofbühne Dinslaken und mit dem deutsch-niederländisch en Jugenddramatikerpreis 'Kaas und Kappes' ausgezeichnet. Für ihr Stück 'Skills' erhielt Eva Rottmann 2012 den Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg. Im Auftrag verschiedener Theater arbeitet Eva Rottmann regelmäßig als Theaterautorin.

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