Preisträger

Anja Hilling (Foto: Doris S. Klaas)

Hilling, Anja (Deutschland)
Nominiert für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2014
für ihr Stück was innen geht

Felix Bloch Erben Verlag für Bühne Film und Funk, Berlin

Jurybegründung

Das Stück schildert die radikale Abrechnung eines jungen Menschen mit seiner Lebenswelt, die ihm monströs und übermächtig erscheint. Der Junge ist vierzehn und nicht einverstanden. In dieser Welt sieht er für sich keine Chance. Die Schule ein Angsttraum. Die Mutter nicht hilfreich. Doch dieser Held hat ein reiches Innenleben. Er heißt Ovid und will sich verwandeln. Und niemand bleibt davon verschont.

In ihrem monologischen Text beschreibt die Autorin die Innenwelt dieses Jungen von heute in drastischer und gekonnt verdichteter Sprache: seine inneren Kämpfe und Verletzungen, seine Gewaltfantasien, seine rabiate Wut und seine Sehnsucht nach Veränderung. Sie stattet ihren Helden mit großer Sprachmacht und differenzierten Gefühlen aus. Ein Text der seinem Helden mit großer lyrischer Kraft eine starke Stimme verleiht.

Werkbeschreibung

Das Stück ist der Monolog des vierzehnjährigen Ovid, der mit seiner Mutter in der Einzimmerwohnung eines Neubaus wohnt. Er hat eine Katze, drei Jeans und keine Chance. Die Mutter ist dem Heroin verfallen und seinen Vater, von dem er sein ölig-schwarzes Haar hat, kennt er nicht. Er hat keine Geschwister und keine Freunde und seit der Grundschule kein Auge mehr zugemacht. Ovids Mitschüler jagen ihn, erpressen und missbrauchen ihn. Sein Fluchtort ist sein inneres Labyrinth, seine Rettung sind seine Metamorphosen. Mit Sprachgewalt reflektiert Ovid in seinem Monolog oft sein Leben und erzählt von seinen Verwandlungen. Er ändert seine Gestalt, sein Wesen, seine Macht, wird zu Vögeln, Bäumen, Blumen, Licht und Wasser. Aus Kälte, Grausamkeit und Mangel an Menschlichem in seinem Leben entwirft er, reich an Dynamik, eine organische Innenwelt, in der es sich aushalten lässt. Doch der unabwendbare Takt seines Lebens konfrontiert ihn immer wieder mit seiner stoisch ignoranten Mutter und den ihn peinigenden Mitschülern. Die Verwandlungen erlösen ihn, ohne ihn zu befreien, und obwohl die Welt ihm ins Gesicht spuckt, wütet eine Liebe in ihm, die am Ende explodiert und die Welt selbst verwandelt.

Kurzbiografie

Anja Hilling, Jahrgang 1975, lebt als freie Autorin in Berlin. Sie absolvierte Studien der Germanistik und Theaterwissenschaft an der FU Berlin sowie 'Szenisches Schreiben' an der UdK Berlin. Ihr erstes Theaterstück 'Sterne' wurde 2003 zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens eingeladen und dort mit dem Preis der Dresdner Bank für neue Dramatik ausgezeichnet. Ihr folgendes Stück, die Tragikomödie 'Mein junges idiotisches Herz' wurde 2005 in einer Inszenierung der Münchner Kammerspiele zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Im selben Jahr wird Anja Hilling in der Kritikerumfrage von 'Theater heute' zur Nachwuchsautorin der Saison gewählt. Ihre Theaterstücke werden im In- und Ausland gespielt, zuletzt u. a. am Königlichen Dramatischen Theater, Dramaten, in Stockholm. Ihr Stück für Jugendliche 'Was innen geht' erhielt 2013 den Autorenpreis Kaas & Kappes.

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