Preisträger

Katrin Lange (Foto: Theaterverlag)

Lange, Katrin (Deutschland)
Nominiert für den Deutschen Kindertheaterpreis 2006
für ihr Stück Ikar – Zu Wasser, zu Lande, in der Luft

Verlag Autorenagentur, Berlin

Jurybegründung

Das Stück erzählt den Mythos von Ikarus und Daidalos als die Geschichte eines Sohnes, der seinen Vater, den Ernährer seiner Familie, nach Hause zurückholen will. Er findet den Vater im Dienst und in der Hand eines rücksichtslosen und selbstherrlichen Königs, der sich einen hohen Turm bauen lassen will, um der Sturmflut zu entgehen, der jedoch verboten hat, seine Untertanen vor der Flut zu warnen. Der Minotaurus ist in Katrin Langes Stück ein Wesen, teils Pflanze, teils Tier, teils Landschaft und auch Mensch, das in dem Labyrinth eingemauert ist und gleichsam als Metapher für die gefangene und vom Menschen domestizierte Natur steht. Ikar gelingt es, seinen Vater zur Flucht zu überreden und dabei die Einwohner vor der Flut zu warnen. Die Geschichte der Emanzipation des Sohnes gegenüber seinem Vater, die nicht in die Trennung, sondern in die gemeinsame Flucht mündet, wird in einem gut gebauten Stück erzählt, das durch rhythmisierte, literarisch wertvolle Sprache überzeugt.

Werkbeschreibung

Ikars Vater Daidal ist außer Landes gegangen, um Arbeit zu finden. Ikar schaut von der kleinen Heimatinsel sehnsüchtig übers Meer, denn die Nachrichten vom Vater und auch das Geld, das er zu schicken versprochen hat, bleiben aus. Der Junge beschließt, dem Vater hinterher zu fahren und begibt sich auf die Reise ins Ungewisse, in die fremde Stadt, über das Meer, über sich hinaus, zum Vater, ins Innere, ins Labyrinth. Er findet den Vater auf der Insel Kritti als Baumeister eines despotischen Königs, in dessen Auftrag er ein Labyrinth erbaut hat, das einem Ungeheuer als Gefängnis dienen soll. In der Königstochter Ariadne findet Ikar eine Verbündete gegen den tyrannischen Herrscher, lernt bald, dass er nicht alles glauben darf, was ihm gesagt wird und macht sich auf, das Geheimnis des Labyrinths zu ergründen. Das Wesen im Zentrum des Labyrinths hat Ungeheuerliches zu berichten und Ikar versucht unter Einsatz seines Lebens, eine Katastrophe zu verhindern. Als Held scheint er sich auf der Flucht von der Insel mit den selbstgebauten Flügeln des Vaters in die Lüfte zu erheben. Doch Übermut führt zum Fall und Ikar scheint verloren – wäre da nicht die Stimme mythischer Weisheit, die er im Inneren des Labyrinths vernommen hat.

Kurzbiografie

Katrin Lange, 1942 in Berlin geboren, war Dramaturgin in Chemnitz, Dresden und Berlin. Ab 1982 arbeitete die promovierte Theaterwissenschaftlerin als freischaffende Autorin und Journalistin. Ihr reichhaltiges literarisches Gesamtwerk enthält auch zahlreiche Stücke, Hörspiele und Drehbücher für Kinder. Ihr Stück 'Vineta. Zweimal hin und zurück' erhielt 1993 den Baden-Württembergischen Jugendtheaterpreis, das nominierte Stück wurde 2005 auf dem Frankfurter Autorenforum für Kinder- und Jugendtheater vorgestellt. Die Uraufführung ihres mehrfach nachgespielten Stückes 'Das Mädchen Kiesel und der Hund' wurde mit einer Einladung zum Vierten Deutschen Kinder- und Jugendtheater-Treffen in Berlin 1997 ausgezeichnet. Die Aufführungsrechte ihrer Stücke liegen beim Verlag Autorenagentur, Berlin.

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