Preisträger

Pascal Brullemans (Foto: Sophie Desraspe)

Brullemans, Pascal (Kanada)
Nominiert für den Deutschen Kindertheaterpreis 2012
für sein Stück Eisberg (Isberg)
aus dem kanadischen Französisch von Andreas Jandl
Theaterstückverlag Brigitte Korn-Wimmer & Franz Wimmer (GbR), München

Jurybegründung

Drei Geschwister, der Kleine, der Große und die Schwester, ziehen sich nach dem Unfalltod ihrer Eltern wie Asseln in den Keller vor der Fürsorge ihrer Pflegefamilie zurück. Weil die Eltern tot sind, ist ihre Familie noch lange nicht tot, wenn sie nur zusammenhalten. Allein mit sich und mit Trauer und Schmerz entwickeln sie jeweils eigene Strategien um zu überleben. Doch bald verstehen sie einander so wenig, wie das, was ihnen widerfährt. Pascal Brullemans erzählt mit seinem Stück, wie rätselhaft und gegenseitig verstörend die Überlebensstrategien der Betroffenen sein können. Und auch dem Zuschauer erschließt sich das Handeln der Kinder erst nach und nach. Unsentimental, knapp und gesetzt ist die Sprache der drei Kinder, so als suchten sie nach den Worten, die sie für das Unfassbare nicht finden können.

Werkbeschreibung

Der kleine und der große Bruder und die Schwester, mit Koffern in der Hand, erzählen, wie sie vom Unfalltod ihrer Eltern erfahren haben. Nun stehen die drei im Keller des Hauses der Pflegefamilie, die sie aufgenommen hat. Sie wollen zusammen bleiben. Der Große will, dass sie zusammen halten, denn ihre Familie ist nicht tot, obwohl die Eltern fehlen. Die Schwester ist absonderlich, sie baut aus allen möglichen Gegenständen Skulpturen, die den Keller immer enger werden lassen. Der Kleine sammelt Meldungen von Menschen, die auf besonders tragische und außergewöhnliche Art und Weise zu Tode gekommen sind. Er ist eher bereit, sich auf einen Alleingang einzulassen, denn die absonderliche Schwester stört ihn. Bei einer Keilerei mit der der Große seine Schwester verteidigt, springt der Kleine seinem Bruder nicht bei. Für ihn ist klar, nun ist auch der Große verrückt geworden, er ist allein. Als er das dem Großen sagt, scheuert der ihm eine und der Kleine läuft mit seinem Koffer weg. Die Schwester erklärt dem Großen ihre Skulpturen. Sie hat aus ihrer Erinnerung und den im Keller gefundenen Gegenständen gemeinsame Momente mit den Eltern nachgestellt. Denn ihre Familie ist nicht tot. Sie gehören zusammen. Und der Kleine kommt bestimmt bald zurück.

Kurzbiografie

Pascal Brullemans arbeitete nach dem Studium im Bereich szenisches Schreiben an der École nationale de théâtre du Canada als Drehbuch- und Bühnenautor und wurde bereits mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet. So erhielt er für seine Adaption des Werkes 'Camélia' von Alexandre Dumas einen Preis von der Académie québécoise du théâtre. Sein Stück 'Hippocampe' wurde von der Association québécoise des critiques de théâtre ausgezeichnet. Weiter hat Brullemans die Kinder- und Jugendstücke 'L'armoire' und 'Isberg' geschrieben. Mit seinem neuesten Stück 'Vipérine' vervollständigt er einen Zyklus, der sich mit dem Thema der Trauer aus der Sicht des Kindes auseinandersetzt.

Zurück zur Übersicht
amateurfetishist.com