Augenblick mal! 1991

Donnerstag, 25. April 1991 | GRIPS-Theater

Landestheater Württemberg-Hohenzollern, Tübingen
Kindergeschichten
von Peter Bichsel
Tübinger Fassung
nach einer Bearbeitungsidee von Lars Rudolfsson und Birgit Hageby
Verlag Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH, Berlin
ab 10 Jahren | 75 Minuten

Regie: Marcelo Diaz
Musikleitung: Heiner Kondschak
Ausstattung: Angelika Holzinger
Dramaturgie: Conny Frühauf
Darsteller*innen: Heiner Kondschak (1. Schauspieler), Marcela Musso (2. Schauspielerin), Gudrun Skupin (3. Schauspielerin), Udo Zepezauer (4. Schauspieler)

Inhalt:

Vier Schauspieler, vier Figuren, vier Kabinettstückchen – eine Mixtur aus Sprech-, Bewegungs-, Gesangs- und Pantomimentheater hat der argentinische Regisseur Marcelo Diaz inszeniert. Als Vorlage dienten ihm Peter Bichsels 'Kindergeschichten', ursprünglich dramatisiert vom schwedischen Autorengespann Rudolfsson/Hageby (Übersetzung: Volker Quandt) und nochmals bearbeitet für eine 'Tübinger Fassung', die im September 1990 als deutsche Erstaufführung Premiere hatte.

Es treten auf:
'Die Frau mit der Sprache', die sämtliche Begriffe umdreht und ihre eigene Sprache erfindet. Außer ihr allerdings beherrscht niemand das neue Vokabular, und so treibt sie sich in die Isolation.
'Der Mann mit dem Gedächtnis', der exklusives Wissen in seinem Kopf anzuhäufen versucht, indem er zum Beispiel die Treppenstufen der Städte zählt.
'Der Mann, der nichts mehr wissen will' muß allerdings erst einmal alles wissen, um zu entscheiden, was er nicht wissen will, oder?
'Die Frau, die sich entschloß, geradeaus zu gehen', wie sonst könnte man prüfen, ob die Welt wirklich rund ist?!

Die Aufführung verteidigt mit Spiel im Spiel und viel Humor individuelle Utopien gegen jede Vernunft.

Text des Theaters

Votum:

Hier werden, wie der erste Schauspieler ausruft, wahre Geschichten erzählt, selbsterfahrene, die man nun zum Nutzen und Frommen dem Publikum mitteilen möchte (...). Mit komödiantischem Einsatz erspielt sich das Tübinger Ensemble diese Grundsituation, mit der es gelingt, die monologische Struktur der Geschichten zwar nicht aufzuheben, aber doch zu überspielen. Hierfür hat Marcelo Diaz eine strenge Choreographie entwickelt, die alle vier Schauspieler zu einem ständigen Mit- und Gegeneinander zwingt und eine starke theatralische Spannung schafft.

Manfred Jahnke, Auszug aus seinem Votum

Komödiantische Theatermittel, mit einfachen Requisiten phantasievoll herausgekitzelt, faszinieren neu. Auch wenn es Rückgriffe auf die Frühzeit des Kinder- und Jugendtheaters der Freien Gruppen sind, vom Teatro del Sole in herausstechender Manier hinlänglich bekannt, so verschwinden diese Mittel doch mehr und mehr in der zunehmenden Stadttheater-Opulenz der Kinder- und Jugendtheater. Sie sind wieder neu zu entdecken und gehören deswegen auf das Festival.

Thomas Lang, Auszug aus seinem Votum

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