Augenblick mal! 2007

Mittwoch, 02. Mai 2007 | Theater an der Parkaue - Bühne 2

JES - Junges Ensemble Stuttgart
King A
Eine Ode an jedes Ritterherz
von Inèz Derksen, Daphne de Bruin, Bouke Oldenhof, Rogier Schippers, Robbie Cleiren, Paul Jonker und anderen Autoren – geschrieben im Auftrag von Het Laagland
aus dem Niederländischen von Eva Maria Pieper
TheaterStückVerlag Brigitte Korn-Wimmer & Franz Wimmer, München
ab 9 Jahren | 80 Minuten

Regie: Inèz Derksen
Spielleitung: Grete Michel
Ausstattung: Bas Zuyderland, Verdieping 3
Choreografie: Wolfgang Abart, Christel Salaets
Dramaturgie: Christian Schönfelder
Musik: Christian Dähn, Frans van Libergen
Darsteller*innen: Anne Diemer (Guinevere, Schauspielerin), Matthias Hermann (Artus, Schauspieler 4), Gerd Ritter (Merlin, Schauspieler 3), Patrick Serena (Lanzelot, Schauspieler 1), Florian Stiehler (Kai, Schauspieler 2)

Inhalt:

Ritter spielen ist cool, aber Ritter sein kann schwierig werden. Schwungvoll, mit Fahnen und Schwertern wird die Legende von König Artus und seiner Tafelrunde erzählt. Zugleich ist es eine Geschichte von heute. Mit zu allen Zeiten brisanten Fragen und Themen, wie Erwachsenwerden, Selbstbestimmung, Liebe und Freundschaft. Welche Eigenschaften muss ein Ritter haben? Was ist wichtiger: Karriere, Liebe oder Freundschaft? Irgendwann im Leben muss man eine Entscheidung treffen. Dann gilt es für die Ritter dieser Welt, trotz aller Schwierigkeiten und Barrieren ihrer Überzeugung treu zu bleiben. – Mit einer Mischung aus ernsten Tönen und Komik werden temporeich, modern und liebenswürdig Botschaften vermittelt.

Votum:

Wenn Könige spielen

Seit Jahrhunderten finden die sich um König Artus rankenden Heldengeschichten ihr Publikum. Welche Kraft dabei dem Theater, wieviel Ansteckung und Verführung dem lebendigen Spiel der Schauspieler und Schauspielerinnen innewohnen kann, macht diese Produktion erlebbar. Im wahrsten Sinne des Wortes erweckt eine Truppe junger Schauspieler die Legende von Artus und seiner Tafelrunde zum Leben. Gleich der Eröffnung eines Kampfplatzes treten zu Beginn fünf Individuen in einen Wettkampf über ihre eigenen Visionen vom Ritter-Dasein, verbunden auch mit Zweifeln und Ängsten. Sie wissen, dass sie fortan daran gemessen werden, wollen sich aber auch messen lassen. Alle suchen nach ihrer Bestimmung im Leben. Welchen Anteil haben sie selbst daran? Wieviel ist vorher- bzw. fremdbestimmt? Wieviel Gestaltungsspielraum gibt es?

Sie schlüpfen in die Figuren aus der Artus-Sage und schaffen sich einen Spiel-Raum. Anhand von Entscheidungssituationen erproben sie sich, sammeln sie Erfahrungen, erleben Niederlagen. Hindernisse sind dazu da, überwunden oder zumindest in Angriff genommen zu werden. Das Heldenhafte verbirgt sich oft im Detail und fernab der Öffentlichkeit. Die Kunst besteht darin (sowohl für die Schauspieler als auch für die Figuren), allen Widerständen und Rückschlägen zum Trotz die eigenen Ideale und Sehnsüchte nicht zu verraten. Die Kunst der Schauspieler vermag zu verführen, sich mit Fragen, die über den eigenen direkten Alltag hinausweisen, zu beschäftigen. Die Zuschauer erleben fremde Menschen in ihrem Handeln, bauen Beziehungen zu ihnen auf, fiebern mit, leiden, bestehen Prüfungen, verlieben sich und sind eifersüchtig, freuen sich an ihren Erfolgen. Die Inszenierung versprüht eine solch ansteckende Kraft, dass man am Ende, wenn Artus fragt "Und wenn es nicht gelingt, war dann alles umsonst?", Merlin vorbehaltlos beipflichtet: "Alles bewegt sich in Kreisen. Man kann immer weitermachen."

Petra Fischer

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