Augenblick mal! 2009

Dienstag, 5. Mai 2009 | Sophiensaele

Nationaltheater Mannheim - Junge Oper
Das Kind der Seehundfrau
Musiktheaterstück
von Robyn Schulkowsky und Sophie Kassies
aus dem Niederländischen von Eva Maria Pieper
nach einem Konzept von Flora Verbrugge
Theaterstückverlag Korn-Wimmer, München
Uraufführung
Eine Kooperation der Jungen Oper mit dem SCHNAWWL Mannheim und dem Oldenburgischen Staatstheater
ab 8 Jahren | 60 Minuten

Regie: Andrea Gronemeyer
Musikleitung: Robyn Schulkowsky
Bühne: Christian Thurm
Kostüme: Eva Roos
Dramaturgie: Susanne Mautz
Darsteller*innen: Anne-May Krüger (Mädchen, Seehundfrau), Uwe Topmann (Oruk, Vater)
Musiker*innen: Beate Anton (Harfe), Christian Martin Kirsch (Trompete), Ellen Mayer (Schlagwerk)

Inhalt:

Hoch oben im Norden, wo es im Sommer nie richtig dunkel und im Winter nie richtig hell wird, lebt Oruk mit seinen Eltern in einer kleinen gemütlichen Hütte. Manchmal fährt er mit seinem Vater im Hundeschlitten über das krachende Eis zum Fischen und abends, wenn draußen der Wind den Schnee vor sich hertreibt und die Wellen des Eismeeres gegen die Klippen in der Bucht schlagen, liegt er in seinem warmen Bett und freut sich am Lachen seiner Eltern. Doch dann wird seine Mutter krank und sein Vater kommt nur noch selten nach Hause. Oruk muss hilflos mit ansehen, wie es seiner Mutter immer schlechter geht. Eines Nachts, nachdem die Eltern böse miteinander gestritten haben, hört er draußen eine Stimme, die seinen Namen ruft. Oruk folgt dem Ruf, der ihn die Küste entlang zu einem Felsen führt. Dort liegt in einer Spalte ein altes Seehundfell und Oruk spürt, dass er es seiner Mutter bringen muss. Als er sie Zuhause damit zudeckt, verschwinden ihre kranken Gesichtszüge und Falten. Ihre Augen beginnen zu leuchten, ihr Körper glänzt und nach und nach verwandelt sie sich in einen Seehund. Von seinem Vater erfährt Oruk dann die ganze Geschichte: Wie er vor vielen Jahren einem wunderschönen Seehundmädchen das Fell gestohlen hatte, wie dieses Mädchen mit ihm gegangen ist, wie sie sich geliebt haben und glücklich waren. Nun hat sich vieles verändert...

Nationaltheater Mannheim

Votum:

Der Einsatz von Musik im Theater für Kinder ist nichts Neues. In jüngster Zeit öffnen sich auch die Opernhäuser dem jungen Publikum und suchen nach neuen Wegen, Kinder und Jugendliche für ihre spezifischen musiktheatralen Erzählweisen zu interessieren und zu begeistern. Ein erfolgreiches Modell dafür liefert die 2006 am Nationaltheater Mannheim gegründete Sparte 'Junge Oper'. Hier entstehen vor allem Auftragswerke, in denen zeitgenössische Musik auf die Spielweisen und Geschichten des modernen Kinder- und Jugendtheaters treffen. Die spezifischen Erfahrungen und Qualitäten der Oper und des Kinder- und Jugendtheaters (in Mannheim: Schnawwl) werden dabei aufs Produktivste miteinander verknüpft und beiden Sparten auf diese Weise neue Perspektiven eröffnet.

Die Inszenierung 'Das Kind der Seehundfrau' in der Regie von Andrea Gronemeyer entwickelt eine sehr heutige Interpretation dieses archaischen Märchens der Inuit mit Hilfe eines modernen Kompositionsansatzes von Robyn Schulkowsky. Sinnliche Klangbilder schaffen mit dem starken Text einen aufregenden Assoziationsraum, erzeugen Atmosphäre, Dramatik und immer wieder auch Irritation. Die geheimnisvolle Figur der Seehundfrau erhält durch die Stimme einer Sängerin eine eigene Sprache, die befremdet und dennoch berührt. Das abstrakte Bühnenbild entfaltet eine starke suggestive Kraft für die Imagination der kargen Eislandschaft und gibt dem Erzählen Raum. Schauspieler, Sängerin und Musiker mit ihren Instrumenten agieren gleichberechtigt in dieser Landschaft, verleihen ihrer Sehnsucht, ihrer Freude, ihrem Schmerz Ausdruck; sie suchen und finden den Ton für diese wunderbare Geschichte über das Glück, das oft nicht lange währt, aber dem man immer wieder begegnen kann.

Kerstin Behrens

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