Augenblick mal! 2009

Freitag, 8. Mai 2009 | Theater an der Parkaue - Bühne 3

Theater Couturier & Ikkola, Berlin
Ente, Tod und Tulpe
von Martina Couturier (Idee)
nach dem gleichnamigen Buch von Wolf Erlbruch
Verlag Antje Kunstmann, München
ab 5 Jahren | 60 Minuten

Regie: Jörg Lehmann
Puppen: Sabine Köhler
Kostüme: Gaby Keuneke
Musik: Marie Elsa Drelon
Darsteller*innen: Martina Couturier (Tod), Heiki Ikkola (Ente)
Musiker*innen: Marie Elsa Drelon

Inhalt:

Die Ente führt ihr beschauliches Leben, jeden Morgen watschelt sie zum Teich. Sie hat Spass beim Schwimmen und Gründeln. Täglich sitzt sie auf der Wiese – ab und an kommt ein Brummer vorbei... so geht es Tag für Tag. Doch die Ente ist nicht allein. Schon länger hat sie so ein merkwürdiges Gefühl. Sie dreht sich um, und hinter ihr steht: der Tod. "Und jetzt kommst du mich holen?" – "Ich bin schon in deiner Nähe solange du lebst." Das ungleiche Paar lernt sich kennen. Beide, Ente und Tod, machen ungewöhnliche Erfahrungen und sehen sich und die Welt aus einer ganz neuen Perspektive. Im Zusammenspiel von Musik, Puppen- und Schauspiel gewinnen die drei SpielerInnen der Geschichte von Wolf Erlbruch überraschenden Witz ab, finden poetische Bilder und nehmen die jungen Zuschauer mit auf eine spannende Reise, an deren Ende die Ente unweigerlich stirbt. Und auch der Tod "ist fast ein wenig betrübt. Aber so ist das Leben."

Theater Couturier & Ikkola

Votum:

Der Anfang gehört der Ente. Es ist morgen, sie kämpft mit dem Wecker, will nicht aufstehen. Sofort bin ich fasziniert: wie schnell die Kinder im Publikum still werden und einsteigen, wie schnell ich einen Bezug zur Figur habe. Und gleich die Frage: Wie war das in der Buchvorlage? Wolf Erlbruchs wunderbar gezeichnete und in knappen Dialogen erzählte Begegnung zwischen Ente und Tod ist ein Bilderbogen mit wenigen Stationen und einem konsequenten Ende: die Ente stirbt. Dazwischen lernen sich Ente und Tod besser kennen. Sie erklettern gemeinsam einen Baum: Wird der Teich da unten noch da sein, wenn ich tot bin, fragt die Ente. Oder: Kommt man in die Hölle, wenn man keine gute Ente war?

Jörg Lehmanns Inszenierung von 'Ente, Tod und Tulpe' folgt der Vorlage in Stimmung und Geschichte und geht doch deutlich über sie hinaus, denkt sie weiter und füllt ihre Leerstellen. Ente und Tod werden Individuen, Dialoge mit unterschwelliger Ironie geben ihnen menschliche Züge. Der Tod mogelt beim Steine werfen, die Ente weist ihn zurecht, liegt schließlich im Liegestuhl und sieht sich Urlaubsdias an. Die Verbindung von Figuren- und Schauspiel ermöglicht dabei die Bewegung, die dem Bilderbuch naturgemäß fehlt. Heiki Ikkolas Ente ist quirlig, voller Lebenslust und Fragen, Martina Couturier spielt den Tod zurückhaltend, aber auch erkennbar neugierig auf das Leben der Ente. Die Musik von Marie Elsa Drelon begleitet und kommentiert den Ablauf unaufdringlich aus dem Hintergrund des einfach gehaltenen Bühnenbilds mit Alltagsgegenständen. 'Ente, Tod und Tulpe' ist ein Theaterstück mit Tempo und dann wieder still und bewegend. Der Tod, das zeigen uns die Urlaubsbilder der Ente, ist immer dabei, die Bilder sind aber auch Zeugnis eines erfüllten Lebens. Als Abschiedsgeschenk des Todes hat dann die Tulpe noch ihren Auftritt: Sie wird die Ente auf der letzten Reise begleiten.

Jürgen Becker

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