Augenblick mal! 2011

Mittwoch, 18. Mai 2011 | Hebbel am Ufer - HAU 2

E*Motion, Düsseldorf
super me
Ensembleproduktion
Rechte bei E*Motion
Uraufführung
Eine Koproduktion des Künstlerhaus Mousonturm, Frankfurt | tanzhaus nrw Düsseldorf und Hebbel am Ufer, Berlin
ab 12 Jahren | 60 Minuten

Regie: E*Motion
Bühne: Philip Bußmann
Choreografie: E*Motion
Dramaturgie: Célestine Hennermann
Musik: Takao Baba
Darsteller*innen: Takao Baba, Andrea Böge, Niranh Chanthabouasy aka Lil'Rock, Albi Gika, Victoria Söntgen (alle Tanz und Choreographie)

Inhalt:

Zwei lernen sich kennen, online erst einmal. Dann doch ganz real. Da ist sie, die erste Berührung. Ein Anderer wird ausgegrenzt, virtuell irgendwie. Und doch ist die Zurückweisung echt. Cybermobbing. Ein Vierter geht verloren im Netz der unbegrenzten Möglichkeiten und bleibt allein zurück. In einem kargen Raum zeichnen sechs Tänzer ein lebendiges Bild von Beziehungen im Zeitalter der digitalisierten Kommunikationswelt, indem sie Hip Hop mit anderen Tanzstilen verknüpfen und Videoprojektionen sowie eine variantenreiche Musik- und Soundcollage einsetzen. Ein Tanzstück über Isolation und Gemeinschaftsbildung, Ausgrenzung und Selbstdarstellung und über die Suche nach seinem Platz in der virtuellen und der wirklichen Welt.

Votum:

Das Summen einer Biene erfüllt den Raum. Langsam breitet sich der projizierte Bienenkörper auf dem rechteckigen Rasenstück aus und fliegt tänzelnd durch die Welt. Tanzend, so lernen wir im Laufe des Stückes, kommuniziert die Biene mit ihren Artgenossen. Auf der Bühne: fünf Tänzer, die der Generation angehören, die seit Jahren eifriger 'user' digitaler Kommunikationsformen ist. Kaum jemand erinnert sich noch an die Zeit ohne Facebook, Schüler- oder StudiVZ, ohne Handy, E-Mail, Chat, Twitter oder MySpace. In dieser digitalen Kommunikationswelt ist der Unterschied zwischen Vernetzung und Isolation, Realität und Fake, Gefühl und Emoticon häufig nur eine Gratwanderung. Die berühmte Kehrseite der Medaille unserer 'High-End Kommunikationswelt' ist uns – zumindest theoretisch – hinlänglich bekannt und wurde bereits in vielen Zusammenhängen thematisiert und problematisiert.

Die Künstlercrew E*Motion greift das Thema der Medialisierung auf und tut dies mit jungen und zeitgemäßen Mitteln. In 'Super Me' gelingt es ihnen, den HipHop Tanz aus dem Schaulaufen beeindruckender Skills zu lösen und ihn stattdessen als eine künstlerisch relevante Bewegungssprache in ein Tanztheaterstück zu integrieren. Ein Klangteppich aus den Sounds eintreffender E-Mails, Mausklicks und anderen der digitalen Welt entstammenden Tönen bildet neben Naturgeräuschen und HipHop Songs die Basis der musikalischen Arbeit. Die vermeintliche Grenze zwischen Technik und Natur, 'echter' und 'virtueller' Welt wird nicht nur in der Musik, sondern auch in den unterschiedlichen Tanzstilen aufgegriffen. Die Welten scheinen sich mal zu einem explosiven und mal zu einem kreativen Gemisch zu vereinen. Der 'natürliche' Wunsch nach Freundschaft, Anerkennung und Vernetzung kann im virtuellen Netz mal zur Falle werden und mal zum großen Glück führen. Keine einfachen Lösungen werden uns hier angeboten, sondern viele verschiedene Geschichten, Möglichkeiten und Unmöglichkeiten über unsere heutigen Formen der Kommunikation.

Martina Kessel, Kuratorin

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