Augenblick mal! 2015

Dienstag, 21. April 2015 | Sophiensaele - Festsaal

co>labs, Tafelhalle Nürnberg
Höhenflug oder warum weinen
nach einer Idee von Beate Höhn und Arne Forke
Rechte bei der Autorin
Uraufführung
ab 8 bis 11 Jahren | 55 Minuten

Regie: Beate Höhn
Bühne: Peter Wendl
Kostüme: André Schreiber
Choreografie: Beate Höhn
Dramaturgie: Katharina Baur
Tänzer*innen: Johanna Kasperwitsch, Katharina Wunderlich, Henrik Kaalund, Kazuma Glen Motomura
Technik & Lichtgestaltung: Sasa Batnozic

Inhalt:

Vier Lichtflecken leuchten auf dem Boden. Eine Stimme sagt: "Pass dich ein und mach kein Theater." Zwei Tänzerinnen und zwei Tänzer erobern sich die Kreise – oder werden sie ihnen zugewiesen? Wie in ein zu großes Kleidungsstück schlüpfen sie in die Rollen, die Erwachsene von Kindern erwarten: Sie sollen der/die Schnellste, Klügste und Bravste sein, den Bauch einziehen und am besten drei Klassen überspringen. Doch die Kinder wollen nur eines: Kind sein und ihre Welt aus Phantasie selbst gestalten. Ein Tintenklecks wird darin zu einer zehnarmigen Krake - warum müssen das die Erwachsenen hinterfragen? Die Kinder wollen rennen und fliegen, laut sein und ausschlafen. Sie wollen wütend sein und sich zurückziehen, wenn ihnen alles über den Kopf wächst. Wie passt das in einen Alltag, der immer geordnet sein soll? Und wie gehen Eltern damit um?

'Höhenflug oder warum weinen' zeigt die Suche nach Bewegungs- und Denk-Freiheit. Es greift die aktuelle Diskussion um einerseits überbehütende und andererseits überforderte Eltern auf und plädiert für mehr Gelassenheit im Umgang miteinander. Die Tänzerinnen und Tänzer machen Lust, selbst zu tanzen und spielerisch nach Lösungen zu suchen, wie man sich als Kind frei entfalten und zugleich ein Teil der Gesellschaft sein kann.

1999 gründeten die Choreografin Beate Höhn und der Regisseur Arne Forke die Gruppe co>labs. Sie erhielten zahlreiche Auszeichnungen und arbeiten seit einiger Zeit auch mit internationalen Partnern zusammen. Mit der Tafelhalle Nürnberg, ihrem beständigen Spielortpartner, sind sie fest verbunden. Die Tafelhalle Nürnberg wurde 2008 gegründet, sie ist eine Kultureinrichtung, bei der sich die verschiedenen Sparten gegenseitig bereichern und erweitern.

Votum:

Höhenflüge sind nicht gerade das, was als vernünftig oder realistisch gilt. "Bleib mal schön auf’m Teppich! Eins nach dem anderen!" heißt es, wenn ein Mensch seine Schwingen ausbreiten will, auch wenn er sie sich nur herbeifantasiert. Solch warnende Sprüche kennen sogar Erwachsene noch. Kinder allemal. Jedem von ihnen wird ein Platz zugewiesen, ein Weg; ihm oder ihr wird ein Talent zuerkannt oder ein bestimmtes Problem oder mehrere. Bloß nicht abheben! Oder: sich nicht zu sehr abheben von anderen. Die Choreografin Beate Höhn vom Nürnberger co>labs-Tanztheater hat sich für ihre Inszenierung 'Höhenflug oder warum weinen' auf die Suche danach gemacht, wie Kinder und Erwachsene mit dem Zurichten umgehen und mit den Besonderheiten jedes Einzelnen: mit dem Vorpreschen und Scheitern, dem Gefallenwollen und Lächerlichwerden, mit der Einsamkeit und dem Streit. Und weil sie vieles davon mit Tanz ausdrückt, geht es immer wieder um Nähe und Distanz, um Bedrängnis und Luftigkeit, ums Fliegen, Schweben und Fallen - oder Gefälltwerden. Ihre vier ganz unterschiedlichen Tänzer/innen, zwei Männer und zwei Frauen, übernehmen Rollen, doch diese wechseln auch und verschwimmen. So durchleben und durchtanzen sie eine Reihe von Situationen, mal ernst, mal humorvoll; sie tippen dabei Geschichten an und erklären nichts. Das Stück kommt mit wenigen Requisiten aus, ein paar übergroßen Klamotten, kleinen Trampolinen, Grafiken auf Overhead- Folien, einer Rückwand aus hellen Platten, stabil und durchlässig zugleich, sowie einer stimmungsunterstützenden Musik. Das Stück wird selber zu einer Art wirbeligem und menschlich taumelnden Flug durch Tiefen und Höhen.

Melanie Suchy, Kuratorin

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